Demokratievorstellungen der westlichen Welt


 

Demokratievorstellungen der westlichen Welt

aus dem englischen von HN Rose

Der Fall Tunesien zeigt uns sehr deutlich wie Demokratie von unten funktionieren kann. Vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten durften wir es bereits in Deutschland erleben.

Viele Vorgänge zeigen Parallelen, doch es ist differenzierter zu betrachten. Seinerzeit hatten die Menschen moralische Unterstützung von Westdeutschland. Der Widerstand konnte zumindest logistisch, wo erforderlich, mittels Unterstützung der Medien gefördert werden.Die eigentliche Revolution denn, haben aber die unterdrückten Menschen im damaligen „Unrechtsstaat DDR“ selbst bewerkstelligt. Die Demokratiebewegung kam von unten und wir schlagen damit die Brücke zur heutigen Bewegung in Tunesien.

Für den politischen Umbruch in Tunesien könnte man bei Betrachtung der Berichterstattung und Publizierung in den westlichen Medien den Eindruck des Nichtinteresses gewinnen. Kein Signal der Medien und Politik, das hier historisches geschieht. Die Berichterstattung erinnert eher an eine Pflichtveranstaltung wie einen Parteitag einer x-beliebigen Partei.

2001 wurde die Welt von fürchterlichen Vorgängen in den USA aus ihren dahin plätschernden Lebensumständen gerissen. Ein neuer Feind war geboren. Nicht das er bis dato nicht existierte, aber er war noch nicht so allgegenwärtig. Erst saß er in Afghanistan, danach im Irak. Man führte Krieg gegen diese Länder, um sie von diesem Ungetüm Terrorismus zu befreien, so der offizielle Sprachgebrauch. Um diesen Sachverhalt zu untermauern lief eine gigantische Propaganda Maschinerie an. Einziges offizielles Ziel, wir bringen diesen Ländern die Demokratie. Es ist wie eine Mission überbracht durch Missionare. Viele werden jetzt sagen, die Christianisierung erfolgte genauso. Richtig, damals hieß es, wir bringen das Wort Gottes und mit ihm Frieden. Viele dieser zwangs- christianisierten Völker lebten danach nicht mehr in intakten gesellschaftlichen Umfeldern. Die Missionen der Missionare brachten vieler Orts Leid, Ungemach, Krieg und teils Menschenverachtende Umstände über diese Völker.

Die Zwangsdemokratisierung Afghanistans ist gescheitert.Die Menschen leiden nach wie vor. Viele tausende von toten Zivilisten im vergangenen Jahrzehnt. Das Wiedererstarken der Taliban, traumatisierte Soldaten, zerstörte und verminte Landschaften, korrupte Politiker, zerstrittene Clans usw.. Der Terrorismus wurde nicht liquidiert.Der Terrorismus kann nicht besiegt werden, weil macht-und geldgierige Individuen auch weiterhin ihr schmutziges Geschäft betreiben und die Unzufriedenen und Unterdrückten für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Nun haben wir aber diesen wunderbaren Fall Tunesien. Ohne das brutale Vorgehen des tolerierten Diktators und seiner Sicherheitskräfte, wäre es vermutlich eine unblutige Revolution geworden. Die Menschen demonstrieren friedlich mit Worten. Eine Demokratische Bewegung vom Volke ausgehend.

Westliche Politiker sind nunmehr bemüht Lobeshymnen zu verbreiten. Natürlich, man möchte bei diesen Veränderungen nicht hinten anstehen. Was wird man allerdings den Menschen dort sagen, wenn die Verhältnisse neu geordnet sind. Die Menschen werden fragen, warum habt Ihr so lange zugeschaut und nichts getan. Ja es war kuschelig, man hatte die billige Mittelmeer Idylle. Der Preis dafür: Schweigen, ganze 23 Jahre lang. Schließlich konnte man den Islamisten, so dachte man, nicht weiteres Terrain überlassen. Außerdem ist es ehemalige französische Kolonie. Ärger mit Frankreich innerhalb der EU undenkbar. Die Räson muss gewahrt bleiben. Bestes aktuelles Beispiel ist Ungarn.

Demokratisierung des Westens heißt nichts anderes, als nur dort und in dem Maße wie es für seine Interessen wichtig und erforderlich ist.

Die Zauberwörter heissen “Rohstoffe, Macht und Einfluss”.

Man könnte es verlogen und hinterhältig nennen.

Es bleibt an dieser Stelle zu hoffen, dass sich das neue Tunesien nicht den zweifelhaften Interessen des „demokratischen Westens insbesondere der EU und den USA“ hingibt. Es sollte seinen eigenen Weg gehen. Vorbild sein, wie Demokratie funktionieren kann. Unsere westlichen Wer(l)t Vorstellungen könnten eine Kur vertragen. Lernen heißt die Devise. Neue Wege beschreiten um unüberbrückbar erscheinendes zu überwinden. Da könnte Tunesien ein Vorbild werden und warum auch nicht. Demokratischer Aufbruch aus der arabischen Welt. Die Basis ist vorhanden. Fortschrittliche intelligente junge Menschen, Bildungs- und Wissens hungrig, modern und begeisterungsfähig.

Wir sollten diese junge sich bildende Demokratie unterstützen, nicht mit unseren Ideologien vielmehr mit unserer Fürsprache.Ein Miteinander, denn auch wir können eines Tages davon profitieren um nicht nur immer den Weg unserer Demokratisierungsvorstellungen zu gehen.

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Gelebte Demokratie und mehr Gerechtigkeit in der Welt Experience of democracy and justice in the world
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